Über asiatische Denkweise für Führungskräfte

Fragen © OEPWZ



Hobbys:

Alles, das ich tue.

Lieblingsbuch:

„Das Buch der fünf Ringe“ von Miyamoto Musashi

Lieblingsmusik:

Klavierkonzert Nr 3 von Sergei Rachmaninov

Lebensmotto:

Wer die Gelegenheiten im Vorbeigehen ergreift braucht keine glücklichen Träume.

Berufsweg:

Bernhard Moestl ist Sachbuch-Autor, KeynoteSpeaker, Fotografenmeister. Schon früh entdeckte er seine Liebe zu Asien Seit 1996 verbindet ihn eine enge Freundschaft mit den Kampfmönchen des Klosters Shaolin, die ihn gelehrt haben, dass nur das Denken einen Menschen unbesiegbar macht und seine Ansichten und Methodik sehr geprägt haben. In seinen Vorträgen und Seminaren verbindet er die Kraft der asiatischen Denkund Handlungsweise mit den Anforderungen der westlichen Welt. Seine Bücher wurden in sieben Sprachen übersetzt und führen Bestsellerlisten an.

Sie wurden einmal als »Europäer mit asiatischem Geist« bezeichnet. Woher kommt Ihre Faszination für Asien?

Begonnen hat alles mit Kwai Chang Caine und der Fernsehserie Kung-Fu. Caine hatte das, wovon man als Jugendlicher träumt: Die Gelassenheit des Unbesiegbaren und einen Meister, der diese Bezeichnung auch verdient. Es folgte die Beschäftigung mit Kampfkunst und schließlich im Jänner 1991 der erste zweimonatige Überlandtrip durch Südostasien. Von da an haben mich der Kontinent und seine Menschen nicht mehr losgelassen.

Die Lehren aus dem berühmten Shaolinkloster in China sind heute die Grundlage Ihrer Arbeit. Was können wir von den Kampf-Mönchen über das Thema „entscheiden“ lernen?

Zuerst einmal, dass nur ein leerer Geist zu einer guten Entscheidung finden kann. Wir müssen lernen, die vielfältigen Beeinflussungen auszuschalten, die uns auf dem Weg dorthin zu verführen versuchen. Weder Wünsche, Ängste, Neid, Zorn noch Freude haben in einem Entscheidungsprozess etwas verloren. Emotionen bringen uns nämlich oft dazu, dass wir wider unsere Intuition und damit gegen das bessere Wissen handeln. Möglich wird das, indem wir unser Denken auf ein Ziel fokussieren. Wo dein Geist ist, so sagt man in Shaolin, dorthin wird dein Körper folgen. Und wohin wir unsere Aufmerksamkeit richten, so weiß jeder Autofahrer, dorthin lenken wir dann auch.

Wie kann ein westlicher Mensch dieses Wissen im Geschäfts-Alltag umsetzen?

Indem er sich klarmacht, warum er wann wie handelt. Die wunderbare Fähigkeit, über unser Handeln reflektieren und es bewusst verändern zu können unterscheidet uns von den Tieren. In der Praxis bedeutet das, dass wir nicht auf jede Provokation reagieren, uns von niemandem herunterziehen lassen, ja nicht einmal kränken müssen. Doch dazu braucht es die Einsicht, Bereitschaft zur Veränderung und eine Menge Übung. Einmal ist nach einem Vortrag eine Dame zu mir gekommen und hat gesagt: „Ja, ja, es wäre ja alles so einfach.“ „Sehen Sie“, habe ich ihr geantwortet, „genau das ist es. Es wäre nicht, es ist alles so einfach.“ Veränderung passiert aber nicht von selbst. Da steckt schon richtig Arbeit dahinter.

Worin sehen Sie die Aufgabe einer Führungskraft in der Begleitung von Veränderungsprozessen?

Im Vermitteln von Sicherheit. Die wichtigste Aufgabe einer Führungskraft ist es, jenen, die ihr folgen, das Gefühl zu geben, dass es sicher ist, das zu tun. Im Grunde beruht Macht auf zwei Faktoren: Zuwendung und Sicherheit. Menschen begeben sich in den Machtbereich eines Anderen, weil ihnen wichtig ist, dass dieser gut findet, was sie tun. Folglich muss der Betreffende alles daran setzen, seinen Mitstreitern auch zu ermöglichen, es ihm recht machen. Wer Entscheidungen undeutlich kommuniziert und dann mit dem Ergebnis unzufrieden ist, macht sich auf Dauer Feinde. Sicherheit wiederum ist wichtig weil Menschen entgegen einer weit verbreiteten Annahme nicht Angst vor einer veränderten Situation haben, sondern alleine davor, auf dem Weg dorthin etwas falsch zu machen. Genau diese Angst muss ihnen eine gute Führungskraft nehmen.

Was möchten Sie Führungskräften auf ihren Lebensweg mitgeben?

Vorrangig die Einsicht, dass niemand anderer für unser Leben verantwortlich ist als wir selbst und es daher auch kein anderer ändern kann. Ich biete Werkzeuge für Veränderung und Führung und zeige, wie man mit ihnen umgeht. Ich möchte den Menschen sagen: „Denkt immer daran, dass ihr unglaublich wichtig seid. Geht sorgsam mit euren persönlichen Ressourcen um. Und vergesst niemals, dass die Kraft des Denkens euch alles nehmen kann. Aber auch alles geben.“

Interviews mit Bernhard Moestl

Bernhard Moestl im Gespräch über Bewusstsein und Leadership, seine Bücher, das Leben in Shaolin und die Kraft des eigenen Denkens. Die spannendsten Interviews der letzten Jahre zum Nachlesen.