Über die Lebensprinzien der Shaolin-Mönche

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Die Kunst der Shaolin Mönche besteht in erster Linie darin unschlagbare Energie aus Gedankenkraft zu schöpfen. Wie ist es möglich, dass wir einen Teil dieser Gedanken zu unseren werden lassen?

Die eigentliche Kunst der Shaolin-Mönche ist das Sich-bewusstmachen von Sachverhalten und Fähigkeiten. Es ist das Wissen, dass alles für denjenigen vorhanden ist, der bereit ist, es anzunehmen. Lassen Sie mich ein Beispiel geben: Ein Elefant ist so stark, dass er hundert Menschen zugleich besiegen könnte. Er weiß das aber nicht und lässt sich daher von einem einzigen Menschen unterdrücken. Auch Menschen begrenzen sich in ihrem Denken selbst und verhindern daher ganz gezielt, dass sie bestimmte Ziele erreichen. Das hat man in Shaolin erkannt und sozusagen abgestellt. Damit diese Gedanken zu unseren werden, brauchen wir vor allem die Bereitschaft zu akzeptieren, dass alle Kraft nur aus uns selbst kommen kann.

Sie waren einige Zeit im Shaolin Kloster und haben dort Ihre persönlichen Erfahrungen machen dürfen. Was waren für Sie die bleibendsten Eindrücke und hat Sie am meisten geprägt?

Am meisten fasziniert hat mich das Gefühl, dass die Mönche von Shaolin einer körperlichen und geistigen Sondereinheit angehören. In Shaolin ist nichts mittelmäßig, Shaolin ist Perfektion. Perfektion im Kämpfen, im Denken und im Handeln. Selbst die Kampftechnik wurde 1500 Jahre lang verbessert und hat einen unglaublichen Reifegrad erreicht. Genau diese Perfektion strahlen auch die Mönche aus. Wer weiß, dass er unbesiegbar ist, muss sich nicht mehr damit abgeben, andere Menschen aus Unsicherheit heraus zu kritisieren oder herunter zu machen. Gleichzeitig haben die Mönche nicht Ansprüche an alle anderen sondern ausschließlich an sich selbst.

Wie schaffen wir es mit der Kraft des Denkens zu innerer Ruhe und Gelassenheit zu kommen, ohne dass wir gleich komplett unseren Alltag ändern müssen?

Durch Bewusstsein und gezieltes Sich-bewusstmachen. Wir können zum Beispiel das Entstehen von Emotionen wie Zorn oder Angst nicht verhindern. Aber wir können lernen, mit ihnen umzugehen. Man kann sich mit etwas Übung gleichsam zur Gelassenheit zwingen, indem man nicht unbedacht dem ersten Handlungs-Impuls nachgibt. Wenn mich jemand beschimpft oder sonst wie provoziert, macht er mir gleichsam ein Angebot für einen Kampf. Es liegt aber dann an mir, dieses Angebot anzunehmen oder zu ignorieren. Gleichzeitig durch die Bereitschaft, auch das zu sehen, was nach unserer Meinung eigentlich nicht sein darf. Wir müssen Herausforderungen als das annehmen, was sie sind und dabei nichts beschönigen. Wer einen Angriff nicht als solchen wahr haben will, hat den Sieg bereits verspielt.

Ihr Buch zeigt 12 Lebensprinzipien, mit denen es uns gelingt gelassen in einen Streit zu gehen, entschlossen aufzutreten, die eigene Position zu vertreten und dabei immer noch im Einklang mit uns selbst zu bleiben. Das klingt unglaublich spannend – wie schaffen Sie es ganz persönlich diese 12 Lebensprinzipien anzuwenden und vor allem zielgenau einzusetzen?

Durch oben beschriebenes Bewusstmachen. Beim Schreiben meiner Bücher beobachte ich vor allem mich selbst. Immer wieder komme ich dann in Situationen, in denen ich anders handle als ich eigentlich möchte. Dann frage ich mich: „Warum hast du das jetzt getan? Was hat dich dazu gebracht, so zu handeln?“ Wenn man sich auf diese Weise mit sich selbst beschäftigt, merkt man nach einiger Zeit, wie man von seiner Umwelt und vor allem vom eigenen Denken manipuliert wird. Ich versuche immer aus Notwendigkeit und nicht aus Emotion heraus zu handeln, von allen zu lernen und Ziele nicht zu träumen sondern zu erreichen.

Sie leben in Wien, sind Autor, Photograph, Trainer und Reiseleiter für Asien. Worin sehen Sie den größten Unterschied der westlichen zur asiatischen Welt, und auf welche bedeutenden Änderungen werden wir uns einstellen müssen?

Der wohl größte Unterschied zwischen der „westlichen“ und der „östlichen“ Welt ist die Tatsache, dass Europäer sich lieber darum sorgen, die anderen schlecht zu machen, während Asiaten darauf schauen, selbst besser zu sein. Asiaten interessieren sich grundsätzlich mehr für sich selbst als für die anderen. Es ist ihnen nicht wichtig, was die Mitmenschen von ihnen denken, sondern dass sie ihr Ziel erreichen. (Anmerkung: Die japanische Gesellschaft bildet hier eine gewisse Ausnahme.) Asiaten halten wenig von Vorschriften und Regeln, revoltieren aber sehr selten offen dagegen. Wenn ein Asiate etwas nicht tun möchte, dann tut er es einfach nicht. Ohne Streit und immer mit einem freundlichen Lächeln zwar, aber es passiert nicht. Gleichzeitig akzeptieren die Asiaten (wieder mit Ausnahme von Japan) keine „Papierautoritäten“. Gefragt ist nicht, ob Sie neun- oder dreizehnfacher Doktor sind, sondern lediglich, was Sie darstellen. Ein Vietnamese hat es einmal mit dem Satz auf den Punkt gebracht: „Wenn uns die Regierung verbietet, etwas vor dem Haus zu tun dann tun wir es eben hinter dem Haus.“ Wenn man mit Asiaten klar kommen möchte, muss man akzeptieren, dass gerade dort nicht immer alles das ist, wonach es aussieht.

Asiatische Kampfkunst in unterschiedlichen Formen ist bei uns mittlerweile schon fast zum Trendsport geworden. Beunruhigt Sie das oder sehen Sie in der Kampfkunst – also im „Kämpfen“ - auch positive Ansätze?

Kampfkunst ist, wie viele andere Dinge auch, an sich weder gut noch schlecht. Es ist einzig die Frage, was man daraus macht. So kann ein guter Kämpfer einen Kampf herausfordern oder aber auch vermeiden. Das Motto von Shaolin lautet: Lerne so gut kämpfen, dass du niemals kämpfen musst. Wenn sie nicht missbraucht wird, hat Kampfkunst, die auch immer eine Auseinandersetzung mit sich selbst und den eigenen Fähigkeiten und Grenzen ist, durchaus viele positive Seiten. Ohne sie hätte auch das Kloster Shaolin nicht 1500 Jahre überleben können.

Was erwartet uns bei Ihrem Vortrag von 2 Stunden, und mit welchem Leitsatz neben „Du musst nicht kämpfen um zu siegen“ gehen wir nach Hause?

Es erwartet Sie eine Reise zu Ihrem Denken, Ihren Fähigkeiten und Ihrer inneren Kraft. Ich werde an vielen Beispielen zeigen, wie Gegner Sie zum Kampf provozieren und wie Sie mittels zwölf einfacher Lebensprinzipien jeden Kampf in einen Sieg verwandeln. Der zweite Leitsatz stammt von Lü Bu Wei: „Die Möglichkeit des Sieges darf man nicht bei anderen suchen sondern muss sie in sich selbst finden.“ Genau dabei möchte ich die Teilnehmer unterstützen.

Interviews mit Bernhard Moestl

Bernhard Moestl im Gespräch über Bewusstsein und Leadership, seine Bücher, das Leben in Shaolin und die Kraft des eigenen Denkens. Die spannendsten Interviews der letzten Jahre zum Nachlesen.