Über die Kraft des Denkens

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Oftersheim. Mit der Kraft des Denkens zu Ruhe, Klarheit und innerer Stärke - dieses Ziel haben sich die Gemeindebücherei und die Volkshochschule mit dem Auftakt der „Lebenswege“-Saison in diesem Halbjahr gesetzt. Denn am Donnerstag, 11. Oktober, ist ab 19.30 Uhr der Bestsellerautor, Motivationstrainer und Fotograf Bernhard Moestl aus Wien im Bürgersaal zu Gast. Der 42-Jährige wird dort sein Buch „Shaolin - Du musst nicht kämpfen, um zu siegen“ vorstellen. Welche Impulse die Besucher daraus mitnehmen können, verrät Bernhard Moestl im Gespräch mit unserer Zeitung.



„Shaolin - Du musst nicht kämpfen, um zu siegen“. Was hat es mit diesem Buchtitel auf sich?

Bereits vor vielen Jahrhunderten haben die Mönche in Shaolin, ein kleiner Ort im Osten Chinas, erkannt, dass die Voraussetzung zum kampflosen Sieg in der Fähigkeit und der Bereitschaft liegt, Kampf als Gesetz der Natur zu akzeptieren. Nach ihrem Verständnis sollte jeder so gut kämpfen können, dass er nicht mehr kämpfen muss. Denn auch wenn der Kampf in unserer Kultur nicht mehr mit den Fäusten ausgetragen wird, ist er als Konkurrenzkampf oder Kampf um den Arbeitsplatz durchaus präsent. Weiter gedacht bringt einen das aber zur Überlegung, dass der Weg zum echten Sieg nicht über den Kampf führt. Ein Meister, so sagt man in Shaolin, beendet einen Kampf, bevor er begonnen hat. Das Geheimnis der Mönche, dem ich mich mit diesem Buch nähern will, liegt nicht in ihrer körperlichen Kraft. Was sie unbesiegbar macht sind ihr Denken und der Glaube an die eigene Überlegenheit.

Der Vortragsabend ist in die Reihe „Lebenswege“ eingegliedert. Inwiefern können Besucher denn aus Ihrem Lebensweg selbst etwas lernen?

Ich bin seit vielen Jahren ständig auf Achse, einfach weil ich es brauche, unterwegs zu sein. Das ist mit Sicherheit nicht jedermanns Sache. Mir ist wichtig, mein Leben zu leben. Nicht auf bessere Zeiten zu warten, sondern die Dinge dann zu tun, wenn die Gelegenheit dazu ist. Sollte mein Leben heute Abend vorbei sein, gäbe es natürlich vieles, dass ich noch gerne getan hätte. Aber ich könnte gehen mit dem Wissen, meine Lebenszeit nicht vergeudet oder verschwendet zu haben. Ich habe unterwegs eine Menge Menschen getroffen, die bereit waren, ihr Wissen, ihre Erfahrung und ihre Ansichten vorbehaltlos mit mir zu teilen. Ob die Mönche von Shaolin oder der Bauer, der auf der Seite von Ho Chi Minh für die Freiheit Vietnams gekämpft hat: Sie alle haben meinen Lebensweg geprägt und oft in eine wunderbare Richtung verändert. An diesem Abend möchte ich einige dieser Einsichten an die Besucher weitergeben.

Was war für Sie ausschlaggebend, sich in Shaolin ausbilden zu lassen?

Die Gelegenheit. Fasziniert hat mich Shaolin schon als Kind, als der besonnene Kwai Chang Caine in der Serie Kung-Fu einen Kampf nach dem anderen gewonnen hat. So wollte ich auch sein. Als Jugendlicher habe ich dann begonnen, mich mit Kampfkunst zu befassen. Als schließlich 1995 die Shaolin-Mönche im Zuge ihrer Europatournee nach Österreich gekommen sind, war mir klar: Da gibt es eine Menge zu lernen.

Welche Eindrücke und Erfahrungen haben Sie aus der Zeit bei den Mönchen mitgenommen?

Es waren vor allem drei Dinge: Erstens, dass man immer besser werden kann. Zweitens, dass dein Denken dein Handeln bestimmt und damit auch dein Leben. Und drittens, dass auch der Unbesiegbare besiegbar ist. Vieles, das ich heute weiß und tue, wäre ohne die Zeit in Shaolin nicht möglich.

In Ihrem Buch stellen Sie die zwölf wichtigsten Prinzipien der Kraft des Denkens vor. Welche sind das?

Die Prinzipien sind das Leben im Hier und Jetzt, ohne den Moment zu bewerten, die Achtsamkeit, durch welche die Einsicht in andere und in einen selbst kommt, Dinge ganz zu tun oder sie zu lassen, Verständnis, dass Begierde berechenbar, verletzbar und erpressbar macht, sich niemals zu einer Handlung hinreißen lassen, Eile mit Langsamkeit besiegen, Nachahmen, um sich in den Anderen hinein versetzen zu können, das Schaffen von Gelegenheiten, das Nachgeben, das Überprüfen von übernommenen Meinungen, das kampflose Siegen durch die Kommunikation von Überlegenheit und die Tatsache, dass alles, was wir sind und werden in uns selbst liegt.

Wie kann jeder Mensch diese Prinzipien im Alltag umsetzen?

Indem er sich klarmacht, warum er wann wie handelt. Es ist genau das, was uns Menschen von den Tieren unterscheidet: Wir können über unser Handeln nachdenken und es daher ganz bewusst verändern. In der Praxis bedeutet das, wir müssen nicht auf jede Provokation reagieren, uns von niemandem hinunterziehen lassen. Doch dazu braucht es die Einsicht, Bereitschaft zur Veränderung und eine Menge Übung. Einmal ist nach einem Vortrag eine Dame zu mir gekommen und hat gesagt: „Ja, ja, es wäre ja alles so einfach.“ „Sehen Sie“, habe ich ihr geantwortet, „genau das ist es. Es wäre nicht, es ist alles so einfach.“ Veränderung passiert aber nicht von selbst. Da steckt schon richtig Arbeit dahinter.

Was ist das A und O, was Menschen aus Ihren Vorträgen und Seminaren mitnehmen sollen?

Was sie wirklich mitnehmen weiß ich natürlich nicht. Mitgeben möchte ich ihnen die Einsicht, dass niemand anderer für unser Leben verantwortlich ist als wir selbst und es daher außer uns auch keiner ändern kann. Ich biete die Werkzeuge für Veränderung und zeige, wie man mit ihnen umgeht. Ich möchte den Menschen sagen: „Denkt immer daran, dass ihr unglaublich wichtig seid. Geht sorgsam mit euren persönlichen Ressourcen um. Und vergesst niemals, dass die Kraft des Denkens euch alles nehmen kann. Aber auch alles geben.“

Interviews mit Bernhard Moestl

Bernhard Moestl im Gespräch über Bewusstsein und Leadership, seine Bücher, das Leben in Shaolin und die Kraft des eigenen Denkens. Die spannendsten Interviews der letzten Jahre zum Nachlesen.