Über die Kunst des kampflosen Sieges

Fragen © Droemer Knaur

Seit Hunderten von Jahren schöpfen die Shaolin-Mönche ihre unschlagbare Energie aus Gedankenkraft. Das Shaolin Prinzip hat Bernhard Moestl, ehemaliger Shaolin-Schüler und heutiger Leiter von Shaolin-Seminaren, zum ersten Mal enthüllt. In seinem Ratgeber: „Shaolin. Du musst nicht kämpfen, um zu siegen“ zeigt er, wie man anhand von zwölf Shaolin-Grundsätzen lernen kann, sein Bewusstsein zu verfeinern, die Kraft der Gedanken so zu bündeln, dass sich das eigene Energiepotenzial für mehr Lebensqualität zielgerichtet nutzen lässt.



Bernhard Moestl ist Fotograf mit Schwerpunkt Reise. Im Zuge seiner Reisetätigkeit lernte er auch das Shaolin-Kloster kennen und verbrachte dort einige Monate, um das Leben der Mönche zu studieren. Diese Erfahrung prägte sein Leben. Er betreut heute die Shaolin-Mönche auf ihren Showreisen durch Europa, gibt Seminare zum Thema Shaolin und arbeitet gleichzeitig als Reiseleiter für Asien. Herr Moestl, wann hatten Sie das erste Mal Kontakt zu Shaolin-Mönchen beziehungsweise zum Kloster? Haben Sie diesen Kontakt bewusst gesucht?

Mein erster persönlicher Kontakt zu ShaolinMönchen war im Mai 1995. Ich arbeitete damals als Chefredakteur bei einer Reportage-Zeitschrift. Ich wünschte mir schon als Kind, einen der legendären Mönche aus der Fernsehserie mit David Carradine zu treffen. Vor allem eine Szene ist mir in Erinnerung geblieben: Der alte Meister fordert seinen Schüler Kwai Chang Caine auf, ihm einen Stein aus der Hand zu nehmen. Als Caine nach dem Stein greift, schließt der Meister die Hand. Noch ist Caine zu langsam und muss weiter lernen. Faszinierend war für mich die überlegene Ruhe des Alten. 1995 konnte ich meinen Kindheitstraum endlich erfüllen. Eine Show der Mönche sollte aufgeführt werden, und ich durfte die Mönche interviewen. Kurz darauf erhielt ich sogar die Möglichkeit, als Reiseleiter eine der ersten Reisen ins Kloster zu begleiten. Auf dem Programm standen drei Wochen Kampftraining. Das war der Beginn einer bis heute andauernden Freundschaft.

Was hat diese Begegnung bei Ihnen ausgelöst?

Vieles. Bei meiner ersten Begegnung sind mir diese Menschen wie Wesen von einem anderen Stern erschienen. Was die Mönche damals gezeigt haben, zählt für mich bis heute zum Beeindruckendsten und Faszinierendsten, was ich jemals gesehen habe. Bei der Show saßen Menschen mit Tränen in den Augen. Es war einerseits diese unglaubliche Präzision und Perfektion in der Bewegung und andererseits die Überlegenheit, welche die Mönche ausstrahlten. Ich fühlte hier zum ersten Mal, dass es Menschen gibt, die so gut wie unbesiegbar sind. Mich berührte aber nicht nur der Kampf. Ich beschäftige mich schon lange mit Nahkampf und habe viel gesehen. Das hier war aber ShaolinKung-Fu. Es hatte mit dem mir bekannten Nahkampf nichts mehr zu tun. Bei meinem ersten Besuch im Kloster traf ich einen sehr alten Mönch, Großmeister Shi Su Yun. Er saß in einem dunklen Zimmer, um uns zu empfangen. Als wir uns voreinander verbeugten, wurde ich nervös. Es war diese nervöse Unsicherheit, die man verspürt, wenn man einem Menschen begegnet, der unheimlich viel zu sagen hat. Seine ruhige, bedachte und langsame Art der Bewegung, die nicht aus dem Alter, sondern von einer inneren Ruhe her kommt, faszinierten mich. Da habe ich verstanden, dass in Shaolin das Beherrschen des körperlichen Kampfes nur Runde eins von zwölf ist.

Der Geist von Shaolin entstand aus dem Buddhismus. Wie stehen Sie zu dieser Religion?

Wenn es eine Religion gibt, die mich als solche anzieht, ist es der Buddhismus. Ich sage nicht, dass ich Buddhist bin, davon bin ich noch weit entfernt. Denn Buddhismus ist keine Religion, der man einfach beitritt. Im Buddhismus verlangt niemand etwas von dir, du musst keinen Glauben zu einem bestimmten Gott bekennen, es gibt keine verpflichtenden Riten, nichts. Buddhismus ist eine Art zu sein, sich mit sich selbst auseinander zu setzen. Buddhismus ist kein Ziel, sondern ein Weg, der alle Menschen, denen man unterwegs begegnet, als Begleiter akzeptiert. Und genau diesen versuche ich zu gehen.

Interviews mit Bernhard Moestl

Bernhard Moestl im Gespräch über Bewusstsein und Leadership, seine Bücher, das Leben in Shaolin und die Kraft des eigenen Denkens. Die spannendsten Interviews der letzten Jahre zum Nachlesen.